EU fördert mit rund drei Millionen Euro Klimaschutz-Modellprojekte in Hannover

2,83 Millionen Euro fließen von der Europäischen Union für Modellprojekte zum Klimaschutz nach Hannover. Im Rahmen des EU-Programms CONCERTO werden damit die energieoptimierte Sanierung von mehr als 300 Wohnungen erneuerbarer Energie wie unter anderem Solarenergie und Nutzung von Holz zur Wärmeerzeugung unterstützt.

"Brüssel würdigt damit die im europäischen Maßstab vorbildlichen Aktivitäten der Stadt im Klimaschutz. Zusammen mit unseren Partnern können wir jetzt auch ein wichtiges Projekt im Altbau-Bestand realisieren, das in erheblichem Umfang Arbeitsplätze im lokalen Bauhandwerk sichert. Die Baukostenzuschüsse der EU führen zu Gesamtinvestitionen von rund 15 Millionen Euro", freut sich Wirtschafts- und Umweltdezernent Hans Mönninghoff bei der Vorstellung des Projekts am Freitag (27. Januar) im Rathaus.

Als Partner für das Modellprojekt konnte die Stadt die Wohnungsbauträger Gundlach GmbH & Co KG sowie den Spar- und Bauverein, die Stadtwerke Hannover AG, den enercity-Fonds proKlima sowie die target GmbH gewinnen.

In Hannover werden in den Stadtteilen Vinnhorst/Vahrenwald und Ahlem Mehr- und Einfamilienhäuser aus den 1950er bis 1980er Jahren modernisiert, deren Energie-Einsparpotenzial erfahrungsgemäß besonders hoch ist. Da in der Stadt mehr als 50 Prozent der Gebäude aus dieser Zeit stammen, sind die hier gewonnenen Erkenntnisse großflächig übertragbar. Die Energieversorgung soll der jeweiligen Ausgangssituation optimal angepasst werden. Zum Einsatz kommen Biomasse, Solarthermie und PV-Dachanlagen.

Nach der CONCERTO-Philosophie geht es dabei um ?das Zusammenwirken von Partnern, die ähnlich einem Orchester jeder auf seinem Instrument zu einem wohlklingenden Musikstück beitragen?, so Astrid-Hoffmann-Kallen, Koordinatorin des EU-Projekts und Leiterin der städtischen Klimaschutz-Leitstelle.

Das mittelständische Bau- und Immobilienunternehmen Gundlach setzt seine lange Tradition ökologischen Bauens fort und wird rund 160 Wohnungen in Ahlem und Vahrenwald energetisch auf Neubaustandard (EneV 06) modernisieren. Dabei wird der Einsatz alternativer Heiztechniken untersucht, zum Beispiel Holzpelletheizungen und Solartechnik. Gundlach leistet damit einen nachhaltigen Beitrag zum Umweltschutz. Gundlach-Mieter profitieren durch sinkenden Energieverbrauch.

Die Spar- und Bauverein eG investiert seit Jahren in die energetische Verbesserung des Hausbestandes. Dieses Projekt gibt dem Unternehmen einen weiteren Anstoß zu umfassenden energetischen Modernisierungsmaßnahmen an Gebäudehülle und ?technik, konzentriert auf die Bauten der 1960er Jahre im Stadtteil Vahrenwald. Die Umsetzung des Projekts wird in enger Zusammenarbeit mit den Mietern erfolgen, die letztendlich von dem entscheidend verbesserten energetischen Standard der Gebäude profitieren werden.

Die Stadtwerke Hannover AG wird im Rahmen von CONCERTO am Kraftwerk in Stöcken einen Vertriebshof für Biomasse inklusive Photovoltaik-Anlage errichten. Hier sollen Brennstoffe wie Holzpellets, Holzhackschnitzel und Holzscheite aufbereitet, bereitgestellt und von dort aus an Kunden geliefert werden. Mit dem so genannten ?Holzenergiezentrum? schließen die Stadtwerke Hannover, die selbst über große Waldflächen verfügen, die Lieferkette bis zu den Kunden in der Region Hannover. Eine Dauerausstellung von Anlagen zur Holzfeuerung ist am Standort in Stöcken geplant.

Auch die Landeshauptstadt nutzt die EU-Gelder: In drei Gebäuden werden alte Heizungen durch energetisch besonders vorbildliche Biomassekessel ersetzt und das Lister Bad erhält eine Solaranlage.

Im Rahmen von CONCERTO wird die Klimaschutzagentur Region Hannover ihre erprobte Haus-zu-Haus-Kampagne gezielt in den Modellgebieten durchführen. ProKlima wird das Modellprojekt fachlich begleiten und insbesondere die gewonnenen Daten auswerten und auf ihre Übertragbarkeit hin überprüfen. Alles in allem werden in den fünf Projektjahren 2,83 Millionen Euro nach Hannover fließen, davon zwei Millionen als direkte Baukostenzuschüsse. Die restliche Förderung dient der umfassenden Begleitforschung zu ökologischen, ökonomischen, sozialen und energetischen Kriterien, der Weiterbildung von Architekten und Handwerkern sowie der Projektkoordination.

Bei der Auswahl der passenden europäischen Partner konnte Dr. Reinhard Martinsen, Leiter des Europareferats im Büro Oberbürgermeister, seine bei anderen EU-Projekten geknüpften Verbindungen nutzen. Unter seiner Federführung haben die Leitstelle für Energie und Klimaschutz in Mönninghoffs Dezernat und der enercity-Klimafonds einen Projektvorschlag ausgearbeitet, wie der hohe Wärmedämmstandard, den die Stadt bereits auf dem Kronsberg bei Neubauten verwirklicht hat und der weit über die gültige Verordnung für Neubauten hinausgeht, nun im Altbaubestand umgesetzt werden kann.

 

Ansprechpartner: Klaus Helmer

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