Regionsweit | 13.06.2022

Hannover legt Klimaschutzsofortprogramm 2035 vor

Die Landeshauptstadt Hannover hat ein Sofortprogramm „Klimaschutz Hannover 2035“ vorgelegt. Das an diesem Montag (13. Juni) veröffentlichte Konzept enthält zehn zentrale Punkte, die mit 53 konkreten Maßnahmen aus den Bereichen nachhaltige Energieversorgung, Wärme, Mobilität, nachhaltiger Lebensstil, natürliche Kohlenstoffspeicher, Information und Beratung sowie Fördermittel hinterlegt sind.

Wirtschafts- und Umweltdezernentin Anja Ritschel und Oberbürgermeister Belit Onay. Foto: Landeshauptstadt Hannover

Hintergrund des Sofortprogramms ist ein Ratsbeschluss von Juni 2020, die im „Masterplan 100% für den Klimaschutz“ beschlossenen Maßnahmen vorzuziehen und damit die Klimaneutralität statt 2050 bereits möglichst bis 2035 zu erreichen. Dieses Ziel setzt eine verstärkte und beschleunigte Umsetzung von Klimaschutzmaßnahmen voraus, um die Treibhausemissionen um 95 Prozent zu reduzieren und den Energiebedarf im Stadtgebiet zu halbieren (jeweils auf der Basis der Zahlen von 1990).

„Es bedarf aller gesellschaftlichen Kräfte, um die im Sofortprogramm genannten Aufgaben zu stemmen. Die Herausforderungen sind riesig, wir müssen unsere jahrzehntelangen Bemühungen noch einmal massiv verstärken. Denn die Treibhausgas-Bilanz 2020 hat ergeben, dass in den kommenden 13 Jahren in annähernd doppelt so starkem Maße Emissionen gemindert werden müssen wie in den vergangenen 30 Jahren“, macht Oberbürgermeister Onay deutlich.

Wirtschafts- und Umweltdezernentin Anja Ritschel betont: „Wir sind als Stadtverwaltung bereit, zusätzliche Ressourcen für den lokalen Klimaschutz bereitzustellen. Schon jetzt setzen wir vielfältige Maßnahmen um. So treiben wir die Dekarbonisierung des Kraftwerks Stöcken mit einem Betrag von 17,5 Millionen Euro voran und setzen auf die Solarpflicht für Neubauten sowie auf kostenlose und unabhängige Beratungen für die Installation von Solaranlagen und den Ausbau der Elektromobilität. Zudem wird einer der wichtigsten Bausteine für die Wärmewende in Hannover die geplante Fernwärmesatzung sein, über die der Rat der Landeshauptstadt derzeit berät.“

Zehn-Punkte-Plan

Mit Unterstützung einer Lenkungs- und einer Strategiegruppe aus Klimaschutzexpert*innen der lokalen Wirtschaft, Wissenschaft und Klimaschutzorganisationen hat die Klimaschutzleitstelle der Stadt Hannover die Empfehlungen erstellt. Die zentralen Punkte sind:

  1. Wärmewende beschleunigen
  2. Erneuerbare Energieerzeugung ausbauen
  3. Mobilitätswende forcieren
  4. Natürliche Kohlenstoffspeicher erheben, schützen und ausbauen
  5. Konzept für eine klimaneutrale Stadtverwaltung 2030 entwickeln
  6. Beteiligung der Stadtgesellschaft stärken
  7. Bildungsarbeit für den Klimaschutz ausbauen
  8. Klimaverträglich wirtschaften
  9. Lokale Angebote zur Beratung und Förderung weiterentwickeln
  10. Klimaschutzziele setzen und Umsetzung überprüfen

Das Sofortprogramm ist ein Plan mit den aus aktueller Sicht dringend notwendigen Klimaschutzmaßnahmen. Wegen sich verändernder Rahmenbedingungen und auch sich entwickelnder neuer Optionen, plant die Stadt eine stetige Aktualisierung. Dabei ist die Zusammenarbeit mit den gesellschaftlichen Akteur*innen sehr wichtig. Bereits bestehende langjährige Netzwerke wie die Klima-Allianz Hannover 2035 oder weitere Beteiligungsformate führen zu einem kontinuierlichen Austausch.

Als Verwaltung will die Landeshauptstadt mit gutem Beispiel vorangehen und ihr 2016 verabschiedetes Konzept einer klimaneutralen Stadtverwaltung überarbeiten. Zudem wird die Sanierung und der energieeffiziente Neubau von städtischen Gebäuden fortgeführt, der Ausbau der Ladeinfrastruktur an öffentlichen Gebäuden forciert, und die Installation von Solaranlagen auf den Dächern der städtischen Liegenschaften vorangetrieben. In allen Bereichen der Verwaltung wird der Klimaschutz mitgedacht und das Personal im Bereich Klimaschutz verstärkt.

Energie- und Treibhausgasbilanz 2020

Mit dem Sofortprogramm veröffentlichte die Verwaltung heute (13. Juni) auch die alle drei Jahre vorzulegende Energie- und Treibhausgasbilanz 1990 bis 2020 für die Landeshauptstadt. Die wesentlichen Ergebnisse sind:

  • Im Jahr 2020 wurden 4,4 Millionen Tonnen Treibhausgase ausgestoßen. Das entspricht einer 33-prozentigen Reduktion im Vergleich zum Jahr 1990.
  • Im Jahr 2020 wurden rund 11.600 Gigawattstunden Energie verbraucht. Damit verminderte sich der Verbrauch um 18 Prozent im selben Zeitraum.
  • Im Jahr 2020 betragen die Pro-Kopf-Emissionen 7,9 Tonnen Treibhausgase, das sind 35 Prozent weniger als im Jahr 1990.

„Das Ziel, die Treibhausgasemissionen um 40 Prozent gegenüber dem Jahr 1990 zu reduzieren, wurde nicht erreicht“, fasst Dezernentin Anja Ritschel zusammen und unterstreicht: „Daher ist noch mehr Tempo bei den notwendigen Änderungen des Nutzungsverhaltens, Effizienzverbesserungen sowie der Dekarbonisierung der Energiebereitstellung erforderlich. Das Sofortprogramm ‚Klimaschutz Hannover 2035‘ ist eine wichtige Grundlage, den Klimaschutz in Hannover mit allen gesellschaftlichen Kräften zu beschleunigen.“

Oberbürgermeister Belit Onay hebt in seinem Fazit hervor: „Klimaschutz ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe. Um die Ziele zu erreichen, ist auch die Anpassung der europäischen und bundesweiten energiepolitischen Rahmenbedingungen auf die erhöhten Anforderungen des Klimaschutzes erforderlich.“

Das Sofortprogramm 2035 sowie die aktuelle Energie- und Treibhausgasbilanz sind im Internet unter www.hannover.de/klimaschutzprogramm-hannover2035 und www.hannover.de/thg-bilanz-hannover zu finden.

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