Akteure & Partner | 11.11.2019

28. Kamingespräch bei Volkswagen Nutzfahrzeuge

Auf dem Weg zur klimaneutralen Fabrik?

Werksführung bei VWN in Hannover-Stöcken. Foto: Henning Scheffen.

Die rund 60 Teilnehmenden erhielten interessante Einblicke in das VWN-Werk in Stöcken. Foto: Henning Scheffen.

Die Gastgeber des 28. Kamingesprächs: Dr. Josef Baumert (VWN), Sven Scriba (Förderverein), Dr. Susanne Leifheit (VWV) und Udo Sahling (Klimaschutzagentur). Foto: Henning Scheffen.

Auf dem Weg zur klimaneutralen Fabrik? lautete die Fragestellung des 28. Kamingesprächs des Fördervereins der Klimaschutzagentur Region Hannover am 30. Oktober 2019 im Transporterwerk Hannover. Volkswagen Nutzfahrzeuge (VWN) ist seit kurzem Mitglied im Förderverein.

Bei einer Werksführung zu Beginn erhielten die rund 60 Teilnehmenden aus Politik und Wirtschaft einen Einblick in die beeindruckenden Produktionsabläufe des Unternehmens sowie die riesigen Dimensionen des Werks (rund 124 Fußballfelder), in dem rund 12.000 Menschen arbeiten. 2018 hat VWN weltweit ca. 500.000 leichte Nutzfahrzeuge ausgeliefert, darunter den T6, die sechste Generation des legendären Bulli, in rund 70 Varianten.

Bereits bei der Werkführung wurde deutlich: Die Herausforderungen einer nachhaltigen Produktion gerecht zu werden, sind vielfältig und komplex. Beim aktuellen Transformationsprozess gehe es um eine grundlegende Veränderung der gesamten automobilen Wertschöpfungskette, erläuterte Dr. Josef Baumert, Vorstand für Produktion und Logistik. „Es geht um Elektromobilität, Digitalisierung, autonomes Fahren und neue Mobilitäts- und Transportsysteme. VWN steht vor der Aufgabe, mit unseren klimaschonenden Fahrzeugen und digitalen Dienstleistungen die Mobilität der Zukunft sauberer, sicherer und effizienter zu gestalten.“

Das VWN-Werk in Hannover wird dabei eine Schlüsselrolle einnehmen. Neben Zwickau und Emden werden hier in Zukunft E-Autos gebaut. Der ID. BUZZ, der 2022 im Werk Hannover anlaufen werde, spiele als elektrischer Bulli-Nachfolger dabei eine entscheidende Rolle, unterstrich Baumert. Bereits heute gehöre neben dem e-Crafter ein Cargo-e-Bike zum Angebot für die letzte Meile Konzernweit sei VWN außerdem die verantwortliche Marke für die Entwicklung des autonomen Fahrens.

Bereits heute sei die Produktion umwelttechnisch federführend, z.B. durch intelligente Steuerung der Lacktrocknung (3.800 t/a CO2-Einsparung), die Umstellung auf umweltfreundlichere Lacklinien mit Trockenabscheidung und die Umstellung im Gebrauch von demineralisiertem Wasser (VE-Wasser), was 18 Prozent Wasser einspart, wird hier ein wesentlicher Beitrag geleistet. Bis 2026 soll z.B. der Karosseriebau druckluftfrei werden, was zu einer CO2-Ersparnis von 95 % und zu einer Kostenreduktion von 2,08 Mio. Euro in diesem Bereich führen wird.

Dr. Susanne Leifheit, Leitung Außenbeziehungen und Nachhaltigkeit bei VWN, stellte die aktuelle Unternehmens- und Nachhaltigkeitsstrategie von Volkswagen Nutzfahrzeuge vor. Dabei ging sie auch auf die Besonderheiten von leichten Nutzfahrzeugen ein. Deutlich wurde hier, dass nachhaltiges Wachstum im Zentrum der aktuellen Strategie des Volkswagen Konzerns steht und sich zukünftige Herausforderungen für eine nachhaltige Produktion sowie Mobilität und Logistik für den Konzern und seine Marken nur gemeinsam im Dialog zwischen Politik, Wirtschaft und Gesellschaft bewältigen lassen.

VWN sei – wie der gesamte Volkswagen Konzern -  dem Zwei-Grad-Ziel des Pariser Klimaschutzabkommens verpflichtet und folge dabei dem Volkswagen-Leitbild „goTOzero“, mit dem konkrete Ziele zur Senkung der CO2-Emissionen der Flotte von jährlich fast 11 Millionen neuer Fahrzeuge und der Produktion in weltweit 122 Werken definiert werden. Im Fokus stünden E-Mobilität, um die urbane Luftqualität zu verbessern sowie ein Umwelt-Compliance-Managementsystem, um ein Vorbild für ein transparentes, integres und erfolgreiches Unternehmen zu werden.

Die VW Kraftwerk GmbH in Wolfsburg wiederum kümmert sich um die Umstellung von der Kohle- auf Gasverstromung. Schließlich gehört VW zu den zehn größten Stromverbrauchern in Deutschland. Dr. Holger Janus, Energiehandel und Vertrieb bei VWK, nannte die Maßnahmen, die den CO2-Rucksack reduzieren sollen: Es werde weltweit das Engagement in erneuerbare Energien geprüft, Energieeffizienzmaßnahmen umgesetzt sowie „grüne“ Energie eingesetzt. Dort, wo Emissionen nicht gesenkt werden könnten, werde in Kompensations-Projekte investiert.

Abschließend stellte Claas Ritz, Leitung Produkt- und Portfoliostrategie, die Elektrifizierungsstrategie vor. Ein wichtiger Treiber sei dabei das Ziel CO2-Neutralität. Dabei setzt VWN auf die breite Palette von emissionsarmen und lokal emissionsfreien Antrieben, von Erdgas über Plug-In-Hybride (PHEV) und reine Elektrofahrzeuge (BEV). Allerdings würden auch die Verbrennungsmotoren noch auf absehbare Zeit erhalten bleiben. Zum Blick in die Zukunft gehören zudem neue Mobilitätsangebote wie MOIA. Auch in Hannover würden deren Fahrzeuge (wie in Hamburg) in absehbarer Zeit elektrisch fahren, erklärte Ritz.

 Der Vorsitzende des Fördervereins der Klimaschutzagentur Region Hannover, Sven Scriba, bedankte sich abschließend für die Gastfreundschaft, die interessanten Einblicke in die aktuelle Situation und die aufgezeigten Herausforderungen im Stöckener Werk.

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