Regionsweit | 06.04.2018

Bund und Land – Hand in Hand bei der Energiewende

v.l.: Berthold Goeke, Verantwortlicher für Klimaschutzpolitik beim BMU, Sven Scriba, Vorsitzender des Fördervereins der Klimaschutzagentur, Niedersachsens Umweltminister Olaf Lies und Udo Sahling, Geschäftsführer der Klimaschutzagentur. Fotos: Jan Blachura

Zum Termin im Parkrestaurant „Alte Mühle“ kam Umweltminister Lies per E-Mobil.

Zum 25. Jubiläum des Kamingesprächs gab es für die rund 60 Gäste aus Politik, Wirtschaft und Verwaltung eine Torte.

Beim 25. Jubiläums-Kamingespräch des Fördervereins der Klimaschutzagentur konnte der Vorsitzende, Sven Scriba, den niedersächsischen Umweltminister Olaf Lies sowie Bertold Goeke, zuständig für Klimaschutzpolitik im Bundesumweltministerium, als Talkgäste begrüßen. Sie versicherten in einer Diskussionsrunde übereinstimmend, dass die beiden großen Koalitionen in Hannover und Berlin die Energiewende entschlossen angehen und Grundlagen für die konkrete Umsetzung erarbeiten wollen.

Vor rund 60 Gästen aus Politik, Wirtschaft und Verwaltung betonten sowohl Lies als auch Goeke, man könne die Energiewende nicht aufhalten, nur „verstolpern“. Die Energiewende und die Klimaschutzziele seien derzeit an einem kritischen Punkt. „ Mehr als 32 Prozent CO2-Einsparung bis 2020 ist kaum noch drin“, sagte Goeke. Es müsse mit der einzusetzenden Kommission noch in diesem Jahr gelingen, ein Szenario zu entwickeln, wie man aus der Kohle aussteigen wolle und welche strukturpolitischen Lösungen vor allem für die Lausitz gefunden werden können. Wichtig sei, den Menschen Antworten zu geben und „gut zu kommunizieren, wie wir uns die Energiewende vor Ort konkret vorstellen.“

Lies sprach sich für eine Beschleunigung beim Ausbau der erneuerbaren Energien, vor allem der Windenergie, aus: „ Wir wollen den Norden zu einem Zukunftsstandort machen und eine Führungsrolle übernehmen, sowohl bei der Energieerzeugung als auch beim Netzausbau“. Darüber hinaus brauche man Speicherlösungen. Mittels Power-to Gas-Verfahren könne überschüssige Windenergie in „grünen“ Wasserstoff umgewandelt und in Kavernen gespeichert werden. Dazu wäre eine nationale Wasserstoffstrategie mit finanzieller Unterstützung vom Bund sinnvoll, denn die industrielle Anwendung von Wasserstoff sei eine Voraussetzung, um aus der Kohleverstromung auszusteigen und die Verkehrswende technologieoffen zu gestalten. Bei Windenergieplanungen seien Naturschutzbelange zu berücksichtigen; Goeke verwies in diesem Zusammenhang auf das neu gegründete Kompetenzzentrum Naturschutz und Energiewende, das zur Lösung von Naturschutzkonflikten in der Energiewende als ein unabhängiger und neutraler Ansprechpartner beitragen könne.

Goeke zeigte auf, dass sich die Anwendung von Wasserstoff als Energieträger besonders da lohnen könnte, wo die E-Mobilität kaum in Frage komme, nämlich vor allem im Flug-, Schiffs- und Schwerlastverkehr. Beim Thema Wärmewende sehe der Koalitionsvertrag keine Erhöhung der Energiestandards vor, sagte Goeke. 

Lies betonte, der ganze Transformationsprozess könne nicht nur aus dem Strombereich finanziert werden, sondern die Lasten müssten auf alle Energieträger gleichermaßen verteilt werden. So sei für ihn als Bauminister bezahlbares Wohnen untrennbar mit den Themen soziales Miteinander, Klimaschutz und Mobilität verbunden und damit Teil der Daseinsvorsorge. Deshalb habe er im März gemeinsam mit dem Verband der Wohnungs- und Immobilienwirtschaft vdw und anderen Partnern das „Bündnis für bezahlbares Wohnen in Niedersachsen" gegründet.

Beim Land und beim Bund wird mit Hochdruck an einem Klimaschutzgesetz gearbeitet –  konkrete Maßnahmen aus allen Ressorts inklusive. Um all‘ das dann auch möglichst schnell umsetzen zu können, bedürfe es Kümmerer vor Ort, wie die Energie- und Klimaschutzagenturen. Sie könnten als fachliche Ansprechpartner die Menschen unterstützen und Vertrauen in das Gelingen der Energiewende aufbauen.