Bauen & Modernisieren | 23.04.2020

Campus Waterlooplatz: Neubau im Passivhausstandard

Region investiert 18,2 Millionen Euro in die gemeinsame Einrichtung von drei Berufsbildenden Schulen.

v.l.: Ulf Jürgensen, Schulleiter der BBS 2 (Gebäude im Hintergrund) und Regionspräsident Hauke Jagau. Foto: Region Hannover

Region Hannover. Schweres Baugerät bahnt sich zunehmend seinen Weg, die ersten Leitungsgräben sind bereits ausgehoben: Mit einem symbolischen Spatenstich am heutigen Mittwoch, 22. April, haben Regionspräsident Hauke Jagau und Ulf Jürgensen, Direktor der Berufsbildenden Schule 2 (BBS 2) den Beginn des Neubaus des Integrierten Bildungszentrums am hannoverschen Campus Waterlooplatz markiert. Beteiligt an der Kooperation sind die BBS ME (Metall- und Elektrotechnik, die BBS 3 (Berufe am Bau) sowie die BBS 2 (Lebensmittelhandwerk und Gastronomie). Das viergeschossige, barrierefreie Gebäude in Passivhausbauweise und mit Photovoltaikanlage wird als Dreieck gebaut und besitzt im Zentrum ein offenes Atrium. Hier sorgen Lichtkuppeln in der Dachkonstruktion für natürliches Licht, bis auf das Untergeschoss sind alle Geschosse über das Atrium verbunden. Der Bau orientiert sich mit seiner hellen Klinkerfassade an den denkmalgeschützten Gebäuden der Umgebung mit BBS ME, BBS 2 sowie der Hannah-Arendt-Schule. Auf einer Grundfläche von 1.300 Quadratmetern und mit einer Gebäudehöhe von rund 15 Metern fügt sich der Neubau in die umliegenden Bestandsbauten ein und wird in seiner Form dadurch maßgeblich mitbestimmt. Zusätzlich wird der CampusCharakter der berufsbildenden Schulen der Region Hannover verstärkt ausgebildet. Die Investitionen der Schulträgerin bis zur geplanten Fertigstellung im dritten Quartal 2021 liegen bei 18,2 Millionen Euro.

Insgesamt bietet der Neubau auf 5.100 Quadratmetern Platz für die Werkstätten, Theorie- und Teamräume sowie für die Umkleiden und Lagerräume der verschiedenen Ausbildungsschwerpunkte Metall-, Kfz- und Elektrotechnik, Bau, Farbe, Holz und Raumgestaltung sowie Nahrungsmitteltechnik und Gastronomie. Ein Sozialbereich für die Schülerinnen und Schüler ist ebenfalls integriert, außerdem ein durch sie betriebener Kiosk. Im Erdgeschoss sind ergänzend einige Büroräume für Soziales untergebracht und im zweiten Obergeschoss der Verwaltungsbereich mit Lehrerzimmer, Theorieräumen und einem Inklusionsraum. Der Haupteingang wird südlich und etwas zurückgesetzt in einem breiten Windfang entstehen. An ihn schließt sich im Inneren die Pausenhalle an, von der aus die Kfz- und Metallwerkstätten sowie die dazugehörigen Lager abgehen. Direkt gegenüber dem Windfang befinden sich das Haupttreppenhaus und die Aufzugsanlage, mit der alle Geschosse erreichbar sind. Partner der Region für den Entwurf des Neubaus war das pbr Planungsbüro Rohling AG aus Osnabrück.

Regionspräsident Hauke Jagau sieht in dem neuen Bildungszentrum eine weitere Möglichkeit, auch den regionalen Arbeitsmarkt zu stärken: „Unsere berufsbildenden Schulen sind bereits gut mit den Unternehmen vor Ort vernetzt. Die Bündelung der Kompetenzen hier am Campus Waterlooplatz kann verstärkt dazu beitragen, die zukünftigen Fachkräfte auf den Arbeitsmarkt vorzubereiten und zu vermitteln.“

Den Mehrwert für die Stadt beschreibt Hannovers Oberbürgermeister Belit Onay: „Wir freuen uns sehr, dass die Berufseinstiegsschule hier auf dem Campus am Waterlooplatz in zentraler Lage in unserer Stadt erhalten bleibt. Mit ihrem vielfältigen Angebot bereitet sie Schülerinnen und Schüler individuell auf einen erfolgreichen Start in die weitere Qualifikation oder das Berufsleben vor und ist im Kontext der beruflichen Bildung eine wertvolle Bereicherung für die hannoversche Schullandschaft.“

Für Bildungsdezernent Ulf-Birger Franz ist die neue Einrichtung ein wesentlicher Schritt in Richtung der BBSn als Kompetenzzentren: „Nicht nur räumlich, sondern auch fachlich haben Schülerinnen und Schüler durch diese Kooperation der beteiligten Berufsbildenden Schulen einen sehr viel einfacheren Zugang zu den Chancen und Angeboten der dualen Ausbildung.“

Andrea Fischer, Dezernentin für Finanzen und Gebäudewirtschaft, betont den Anspruch an ein nachhaltiges Konzept: „Wir haben die energetischen Berechnungen laufend angepasst und durch die Umsetzung als Passivhaus die Förderung durch den enercity proKlima-Fonds sichergestellt.“

Die drei Schulleiter der beteiligten BBSn Friedrich-Wilhelm Gieseke (BBS ME), Harald Meier (BBS 3) und Ulf Jürgensen (BBS 2) können die Verbesserung ihrer Ausbildungsmöglichkeiten unisono bestätigen: „Alle schulpflichtigen Jugendlichen unter 18 Jahren können hier individuell gefördert und auf ihre anschließende Berufsausbildung vorbereitet werden. Das moderne Gebäude und seine Ausstattung schaffen eine besondere Lernatmosphäre, die Jugendlichen bekommen vielseitige Möglichkeiten, ihre Kompetenzen zu erweitern. Sie können hier mit passgenauen Angeboten ihre weitere persönliche und berufliche Entwicklung stärken.“

Bei Planung und Konzept lagen laut stellvertretender Projektleiterin Marie Feuler vom Planungsbüro pbr die Herausforderungen in der speziellen Form des Gebäudes und in seinem Anspruch an fünf verschiedene Fachbereiche: „Es braucht Robustheit und Langlebigkeit, gleichzeitig aber eine Leichtigkeit für das tägliche Lernen. Das findet sich in der Materialität, einem hellen Farbkonzept und einem mittig orientierten Grundriss wieder, der Blickverbindungen über mehrere Geschosse ermöglicht.

Hintergrund
Der Neubau ist wesentlicher Bestandteil des Berufsschulkonzepts der Region. Das sogenannte Zielkonzept 2020 stärkt die Berufsbildenden Schulen der Region als Kompetenzzentren. In dem Integrierten Bildungszentrum sollen künftige Schülerinnen und Schüler der gemeinsamen Berufseinstiegsschule (BES) der drei benachbarten Berufsbildenden Schulen BBS 2, BBS 3 und bbs|me unterrichtet werden. Zur Ausrichtung der bisherigen BES gehören das Berufsvorbereitungsjahr (BVJ), die Sprachförderklassen (SFK) und die Berufseinstiegsklassen (BEK).