Regionsweit | 13.05.2019

Elektrisch mobil

Die Energiewende hat nun auch den Verkehrssektor erreicht, angetrieben von Emissionsskandalen, drohenden Fahrverboten in vielen Innenstädten und neuen europäischen CO2-Grenzwerten für Pkw. Beim 27. Kamingespräch des Fördervereins Klimaschutzagentur Region Hannover am 13. Mai in Hannover wurden mit dem Publikum aus Wirtschaft und Politik die Perspektiven und die Bedeutung der Elektromobilität für die Region erörtert. Als Talkgäste waren Ulf-Birger Franz, Dezernent für Wirtschaft, Verkehr und Bildung der Region Hannover, sowie Marten Bunnemann, Vorstandsvorsitzender der Avacon AG, und Jan Trense, Leiter Dienstleistungen bei der enercity AG geladen.

V.l.: Klimaschutzagentur-Geschäftsführer Udo Sahling, Jan Trense, Leiter Dienstleistungen bei der enercity AG, Marten Bunnemann, Vorstandsvorsitzender der Avacon AG, Ulf-Birger Franz, Dezernent für Wirtschaft, Verkehr und Bildung der Region Hannover, sowie Sven Scriba, Vorsitzender des Fördervereins der Klimaschutzagentur

Foto: Florian Arp

„Die Mobilität wird sich in den nächsten Jahren deutlich verändern und wir müssen die Voraussetzungen schaffen“, sagte Ulf-Birger Franz. Dabei sei die Verkehrswende mehr als nur ein neuer Antrieb mit Strom oder Wasserstoff. Auch das Radfahren in der Großstadt sowie die Schaffung von flexiblen Carsharingmodellen und die Entwicklung des ÖPNV seien große Zukunftsthemen. Für die Elektrobus-Offensive der ÜSTRA belaufen sich die Investitionen auf 53 Millionen Euro, für die man 22,7 Mio. Euro Fördermittel des Bundes erhalten werde – ein Drittel der Gesamtmittel, die bundesweit zur Verfügung stehen, berichtete Franz nicht ohne Stolz.
Das Prinzip der Elektromobilität sei bestechend einfach: Strom aus der Batterie und Elektromotor statt Kraftstoff und Verbrennungsmotor. In der Praxis bestehe aber sowohl bei den Fahrzeugen als auch bei der Ladetechnik sowie bei der Bereitstellung von regenerativ erzeugtem Strom noch Optimierungspotenzial, erläuterte Marten Bunnemann. Dabei fließe in den Netzen der Avacon in ländlichen Regionen durch viele regenerative Energiequellen bereits deutlich mehr Strom als dort verbraucht werde. Deswegen müssten Stadt und Land zusammengebracht werden. Um den starken Zubau bei den Erneuerbaren auch in Zukunft in die Netzinfrastruktur integrieren zu können, müssten die Netze vor allem intelligenter werden. Es dürfe insgesamt auch nicht zu teuer werden, damit die soziale Akzeptanz erhalten bleibe. Optimistisch stimme ihn „die Konsequenz, in der sich VW bei der E-Mobilität gerade positioniert hat. Das wird etwas entscheidend verändern“, so Bunnemann.
Die E-Mobilität sei ein wesentlicher Bestandteil der Strategie von enercity, stellte Jan Trense klar. Dazu gehöre unter anderem die Ausweitung des Ladenetzes im öffentlichen Raum mit 480 Ladepunkten durch die enercity AG in der Landeshauptstadt. So vieles spräche für die E-Mobilität. Die Technologie sei schadstoffarm, geräuschlos, wartungsarm – und mache Spaß. „Wer an der Ampel mit seinem E-Fahrzeug schon einmal einen Porsche hat stehen lassen, der weiß, wovon ich rede“, sagte Trense. Im Übrigen seien die Netze stark genug und könnten einen 30 bis 35prozentigen E-Mobilanteil verkraften. Erst darüber hinaus müssten die Netze ausgebaut werden.
Einig war man sich in der Einschätzung mit Moderator Udo Sahling, dem Geschäftsführer der Klimaschutzagentur, dass man bei allen Herausforderungen der Verkehrswende erst ganz am Anfang stehe und die E-Mobilität einen wesentlichen Beitrag zur Treibhausgas- und Emissionsminderung leisten werde. Dafür sei eine CO2-Bepreisung der richtige Weg, sonst werde man die Klimaschutzziele nicht erreichen.