Hannover | 10.06.2020

Hannover tritt in die Pedale: Oberbürgermeister präsentiert Plan für Velorouten-Netz

Rauf aufs Rad: Im Mobilitätsmix der Landeshauptstadt Hannover soll das Fahrrad weiter deutlich an Stellenwert gewinnen. Oberbürgermeister Belit Onay präsentierte an diesem Mittwoch (10. Juni) das Konzept für ein Velorouten-Netz, das die Stadt in den kommenden zehn Jahren aufbauen will. Demnach sollen künftig zwölf Velorouten ausgehend vom City-Rad-Ring in der Innenstadt radial in alle Stadtbezirke führen. Das Konzept wird den politischen Gremien zum Beschluss vorgelegt. Im Bauausschusses am 17. Juni wird es erstmals behandelt.

Hannovers Oberbürgermeister Belit Onay (links) hat ein Konzept zum umfangreichen Ausbau des Radverkehrs in der Landeshauptstadt vorgestellt. Foto: Landeshauptstadt Hannover

„Radfahren ist Teil unserer Mobilitätskultur“, betonte Onay. Hannover habe eine gute Grundlage, um die Fahrrad-Infrastruktur weiter ausbauen zu können. „Das bestärkt uns, den eingeschlagenen Kurs weiter zu verfolgen.“ Der Oberbürgermeister erklärte, es gebe viel Zustimmung zum Thema: weg vom Auto, hin zu mehr Radverkehr, mehr Fußverkehr, mehr ÖPNV. „Der Fahrradverkehr ist nicht nur die Fortbewegung auf zwei Rädern. Er ist Teil eines verkehrlichen Gesamtgefüges.“ Das künftige Veloroutensystem sei bequem, unkompliziert und sicher. „Es führt über ausgebaute Wege, die sich nicht kreuzen und getrennt sind vom Autoverkehr. Mein Ziel ist es, bis 2030 auf 25 bis 30 Prozent, wenn nicht gar 40 Prozent Fahrradnutzung zu kommen. Dafür braucht es die entsprechenden Rahmenbedingungen.“

Eine Veloroute bereits in konkreter Planung

Um das Velorouten-Konzept zu erarbeiten, hat die Stadt ein Ingenieurbüro hinzugezogen. Die vom ADFC vorgeschlagenen sowie weitere alternative Routenverläufe wurden intensiv untersucht und gemeinsam mit den Gutachter*innen abgefahren. Ergebnis der Studie ist der Plan für ein Netz mit zwölf Routen, das in einem Workshop mit Fachleuten des ADFC Allgemeiner Deutscher Fahrrad-Club Region Hannover e. V., des Bund für Umwelt und Naturschutz Region Hannover e.V., des Verkehrsclub Deutschland Kreisverband Hannover e.V., der Bürgerinitiative Umweltschutz e.V. sowie der Region Hannover auf den Prüfstand gestellt wurde. Es ging darum, zu Routenverläufen und baulichen Standards möglichst einvernehmliche Lösungen zu finden. Das vorliegende Veloroutenkonzept ist Ergebnis der gutachterlichen Bearbeitung, der eingegangenen Hinweise und der Abwägung der im Workshop beigetragenen Anregungen und Vorschläge.

Bereits in der konkreten Planung befindet sich die Veloroute 3 in Richtung Bothfeld, für die mit Antrag zum Haushaltsplan 2019/2020 eine erste Umsetzungspriorität durch den Rat festgelegt wurde. Nach aktueller Zeitplanung soll die Planung im Frühjahr 2021 zum Beschluss vorgelegt werden, so dass die Umsetzung ab 2. Jahreshälfte 2021 erfolgen könnte.

Zur provisorischen Kenntlichmachung von vier Velorouten liegt ein Antrag der Mehrheitsfraktionen im Rat vor. Dieser wird im kommenden Bauausschuss beraten. Sollte der entsprechende Beschluss im Verwaltungsausschuss erfolgen, wird die Verwaltung noch im Sommer vier ausgewählte Velorouten kenntlich machen.

Für Velorouten gelten Standards. Mit einheitlicher Kennzeichnung – etwa durch Markierung oder Beschilderung – sind sie durchgängig erkennbar. Im Einrichtungsverkehr sind sie 2,50 Meter breit, im Zweirichtungsverkehre haben sie eine Mindestbreite von drei Metern. Die Routen sollen Oberflächen mit hoher Qualität erhalten. In bebauten Bereichen sind sie durchgehend beleuchtet. Damit Radler*innen auf den Velorouten zügig vorankommen, sind entsprechende Vorfahrtregeln sowie angepasste Ampelschaltungen vorgesehen. Wartezeiten – etwa an Kreuzungen – werden dadurch reduziert oder sogar vermieden.

Parallel zu den Velorouten arbeitet die Stadt Hannover gemeinsam mit der Region und Umlandkommunen an Radschnellwegen. Das sind Verbindungen zwischen Städten. Vor allem Pendler*innen sollen sie nutzen. Baubeginn für den Radschnellweg Hannover-Lehrte soll im September 2020 sein. Dazu wird es einen offiziellen Spatenstich geben. Für einen Radschnellweg zwischen Hannover und Langenhagen liegen die Ergebnisse einer Machbarkeitsstudie vor. Der Baubeginn ab der zweiten Jahreshälfte 2021 scheint möglich.