Hannover | 01.11.2018

Innerstädtische Lieferverkehre: Flexibel in die Zukunft

Mit der Zunahme des innerstädtischen Lieferverkehrs und alternativen, klimafreundlichen Anlieferkonzepten befasste sich eine öffentliche Veranstaltung des Kuratoriums Klimaschutzregion Hannover am 1. November 2018 im Haus der Region. Rund 100 Teilnehmerinnen und Teilnehmer verfolgten die Vorträge sowie die abschließende Podiums- und Publikumsdiskussion.

Kuratorium Klimaschutzregion Hannover: Alternative Lieferkonzepte für die Innenstadt im Blick

Diskutierten über die Zukunft des innerstädtischen Lieferverkehrs (v. li.): Martin Prenzler, Geschäftsführer der City-Gemeinschaft Hannover e. V., Stefan Hohm, DACHSER Group, Astrid Kroschke von der Stadt Hamburg und Moderatorin Dr. Evelyn Gustedt von der Akademie für Raumforschung und Landesplanung. Fotos: Sandra Fricke/ Region Hannover

Wie sind die Ansprüche des Handels und der Kunden an innerstädtische Lieferverkehre? Welche klimafreundlichen Alternativen gibt es zu den herkömmlichen Logistikketten? Welche Ideen haben andere Städte und was bietet die Forschung für Lösungsansätze? Diese und andere Fragen diskutierten Vertreterinnen und Vertreter aus Unternehmen, Politik, Verwaltung und Wissenschaft. Nach der Begrüßung durch den Kuratoriumsvorsitzenden und Uetzer Bürgermeister, Werner Backeberg, und von Christine Karasch, Dezernentin für Umwelt, Planung und Bauen der Region Hannover, stand die Relevanz des Wirtschaftsverkehrs für den Klimaschutz im Fokus des Impulsvortrags von Sabine Tegtmeyer-Dette, Dezernentin für Wirtschaft und Umwelt der Landeshauptstadt Hannover.

Neue Wege für Hannover stehen im Mittelpunkt der Projektinitiative Urbane Logistik, vorgestellt von Tim Gerstenberger, Landeshauptstadt Hannover, Dr. Susanne Leifheit, Volkswagen Nutzfahrzeuge und Prof. Dr. Lars-Oliver Gusig von der Hochschule Hannover. Der Druck zur Einhaltung der Luftqualitäts-Grenzwerte nehme immer mehr zu. Über 700 Einfahrrestriktionen seien in europäischen Städten bereits zu verzeichnen. Ziel der Projektinitiative sei die Entwicklung einer Kompetenzregion für urbane Logistik und einer ganzheitlichen Roadmap, um das EU-Ziel einer weitestgehend CO2-freien Innenstadtlogistik ab 2030 zu erreichen.

Beim Erproben alternativer Logistikkonzepte spiele auch die Beteiligung der Bevölkerung eine wichtige Rolle. „Auf der letzten Meile werden oft mehr Kilometer zurückgelegt, als in der gesamten Wertschöpfungskette davor“, erläuterte Gusig und wies auf die hohen Kilometer-Anteile hin, die durch ineffiziente Einzelfahrten privater PKW bei Einkäufen entstehen.

Anschließend berichteten drei Unternehmen bzw. Dienstleister aus Hannover von ihren positiven Erfahrungen mit der Nutzung von Lastenrädern im Alltag, die sie mit einer Förderung von Region und Sparkasse Hannover angeschafft haben. Das Förderprogramm stellte der Radverkehrskoordinator der Region, Martin Nebendahl, vor.

Wie Hamburg mit dem SMILE-Projekt vorangeht, veranschaulichte danach Stadtplanerin Astrid Kroschke. Mit dem Projekt will die Hansestadt zur Modellregion für nachhaltige, belastungssenkende „Smart Last Mile Logistics“ werden. Zu diesem Zweck wurden viele Ideen zu einer intelligenteren Zustellung von Waren in die Hamburger City entwickelt, die nun umgesetzt und getestet werden.

In der abschließenden Podiums- und Publikumsdiskussion berichtete Stefan Hohm von der DACHSER Group von Erfahrungen mit dem Einsatz von Lastenpedelecs, die Stückgutpaletten weitertransportieren: „Das Lastenrad ist ein Hingucker und effizient. Es ist nicht nur ein Gimmick, es rechnet sich auch.“ Martin Prenzler, Geschäftsführer der City-Gemeinschaft Hannover e. V., sprach an, dass flexiblere Anlieferzeiten in der Innenstadt notwendig sind, um die neuen Konzepte umzusetzen. Ein Standpunkt, dem Logistik-Experte Hohm zustimmte: „Man muss nicht alles in einer Stunde haben.“

Weitere Infos: www.hannover.de/kuratorium-klimaschutzregion