Windenergie | 05.02.2019

Umweltminister bestärkt Windenergiebranche

Olaf Lies informiert sich in Neustadt und fordert Gespräche zu technischen Lösungen

V.l.: Dr. Alexander Jäger-Bloh, Umweltminister Olaf Lies, Bürgermeister Uwe Sternbeck und Udo Sahling von der Klimaschutzagentur Region Hannover. Foto: Mirko Bartels / Klimaschutzagentur

Dr. Alexander Jäger-Bloh erläutert anhand einer Karte die Situation im Nordwesten der Region Hannover. Foto: Mirko Bartels / Klimaschutzagentur

Zum Spannungsfeld Windenergienutzung und Sicherheit im Flugverkehr hat sich am Donnerstag, 31. Januar, der niedersächsische Minister für Umwelt, Energie, Bauen und Klimaschutz, Olaf Lies, in Hagen bei Neustadt a. Rbge. informiert und zügige Gespräche zu zeitgemäßen technischen Lösungen gefordert. Denn der Nordwesten der Region gehört zu den Gebieten in Deutschland, wo seit 2013 keine neuen Windenergieanlagen – auch nicht im Repowering – genehmigt werden. Der Grund für die Bauverbote: Die Deutsche Flugsicherung (DFS) vertritt die Auffassung, dass ihre Drehfunkfeuer, die Signale senden, mit denen Flugzeuge navigieren, durch neue Windenergieanlagen gestört werden könnten.

Dr. Alexander Jäger-Bloh, Geschäftsführer des Windenergieunternehmens ecoJoule und seine Mitstreiter von der Planerallianz, einem Zusammenschluss betroffener Windenergieprojektierer und -betreiber, haben erhebliche Zweifel an der Relevanz von Drehfunkfeuern für die Flugsicherheit, zumal Passagierflugzeuge heute satellitengestützt navigieren: „Es gibt bereits technische Lösungen, die beides möglich machen, nämlich die Luftsicherheit auf einem ganz hohen Level zu halten und trotzdem die Windenergie auszubauen. Doch Gespräche zu Alternativen wurden von der DFS bislang abgeblockt“, beklagte Jäger-Bloh beim gemeinsamen Pressetermin. Für ihn handelt es sich damit nicht um ein fachliches Problem, sondern es mangele am Willen. Eine Vielzahl von Unternehmen sei betroffen. Es gehe allein um 80 neu geplante Windenergieanlagen, teils im Zuge des Repowerings, im Bereich der seitens der DFS ausgerufenen Bauverbotszone.

Bundesweit ist nach Schätzungen von Mathias Schäkel vom Windenergieanlagenbauer Enercon durch die rigorose Haltung der DFS aktuell der Zubau von weit über 3 Gigawatt Windstrom blockiert. Das entspricht rund 1.000 Windenergieanlagen, die für die Energiewende dringend benötigt werden.

Neustadts Bürgermeister Uwe Sternbeck betonte die Wichtigkeit der Windenergie für die regionale Wertschöpfung, die Arbeitsplätze sowie die Gewerbesteuereinnahmen in seiner Stadt: „Der Wirtschaftszweig Wind hat daran einen Anteil von rund 500.000 Euro jährlich“. Mit der Blockadehaltung der DFS sei der Windkraftstandort Neustadt in Gefahr.

Udo Sahling, Geschäftsführer der Klimaschutzagentur, wies darauf hin, dass sich ohne den Ausbau der Windenergienutzung die Klimaschutzziele in der Region Hannover nicht erreichen lassen. „Auch wenn wir stattdessen in anderen Bereichen wie der Solarenergienutzung richtig Gas geben würden, könnte das den Ausfall von Windstrom nicht annährend kompensieren“, so Sahling.

Minister Lies möchte das Problem möglichst schnell aus der Welt schaffen. Er kündigte an, die Landesregierung werde sich mit dem zuständigen Bundesministerium für Verkehr in Berlin in Verbindung setzen, um am Beispiel der Region Hannover eine zügige technische Lösung zu erreichen. Die Sicherheit im Luftverkehr muss immer voll gewährleistet sein. Doch es müsse endlich eine transparente, nachvollziehbare und ergebnisoffene Prüfung durch die DFS stattfinden, alle technisch möglichen Lösungen seien zu erörtern. „Wir brauchen einen konstruktiven Dialog. Alle Beteiligten müssen an einen Tisch, denn wir können für die Energiewende nicht auf die Windenergie verzichten”, hob Lies hervor.