Akteure & PartnerSolarenergieBauen & ModernisierenHannover | 26.10.2017

Wärmewende mit erneuerbaren Energien

24. Kamingespräch des Fördervereins der Klimaschutzagentur

V.li.: Manfred Greis, Helmut Jäger, Sven Scriba, Udo Steinberg und Udo Sahling. Aufn.: Lisa Marie Thoms

Wie wichtig die Wärmewende für den Erfolg der Energiewende insgesamt ist, wurde beim 24. Kamingespräch des Fördervereins der Klimaschutzagentur Region Hannover am 24. Oktober im Gartensaal des hannoverschen Rathauses deutlich. Nach der Begrüßung durch den Vorsitzenden des Förderverein, Sven Scriba, erläuterten die Branchenvertreter der Unternehmen Solvis, Stiebel Eltron und Viessmann, in einer Talkrunde wie der heutige Stand der Technik aussieht und damit die erneuerbaren Energien bereits zur Wärmeversorgung eingesetzt werden können. Ob Solarthermie, Wärmepumpen oder Brennstoffzelle – alternative Heizsysteme sind längst bewährt und bieten den Kunden klimaschonende Alternativen.

Um den regenerativen Anteil im Wärmemarkt auszubauen und die Bremsen beim Solarausbau zu lösen, müsse auch der MFH-Bereich so gestaltet werden, dass die Wärme vom Dach kommt, meinte Helmut Jäger, Generalbevollmächtigter der Solvis GmbH, 2. Vorsitzender des Bundesverbands Solarwirtschaft. Dann würden auch keine Freiflächen für die Energieerzeugung verbraucht. Er plädierte für eine CO2-Steuer für Brennstoffe nach schweizerischem Modell, wo anschließend die Mittel aus der CO2-Abgabe an die Bürger zurückfließen, auch über eine Beitragsentlastung bei den Sozialabgaben.

Manfred Greis, Viessmann Werke GmbH & Co. KG und Präsident des Bundesverbands der Deutschen Heizungsindustrie, vertrat die Auffassung, der Wärmemarkt sei zugunsten der Verkehrswende ins Hintertreffen geraten. Dabei steckten dort laut Greis enorme Potenziale für eine erfolgreiche Energiewende. Auch die Technik und Innovationskraft sei bei der Branche vorhanden. Im Neubaubereich setze sich die Wärmepumpe immer mehr durch, erklärte Greis. Der Trend gehe in Richtung integrierter Systeme, die nicht nur Energie verbrauchen, sondern auch produzieren (z.B. Brennstoffzelle). Nur im Bestand gehe es nicht recht voran, sagte Greis. Dabei könnte der Energieverbrauch in Deutschland allein durch die Modernisierung alter Heizungsanlagen um 15 Prozent gesenkt werden.

Das bestätigte auch Udo Steinberg von der Stiebel Eltron GmbH & Co. KG. Bei 75 Prozent der Neubauten kämen mittlerweile Wärmepumpen zum Einsatz (davon 70% Luftwärmepumpen, 30% Erdwärme). Die Hausforderung für die Wärmewende sei es aber, den Bestand auf Vordermann zu bringen. Um das zu erreichen, dürfe man nicht nachlassen die Kunden gut zu informieren und zu beraten, so wie es in der Region Hannover durch die Klimaschutzagentur seit Jahren erfolgreich passiere. Wünschenswert wäre sogar eine weitergehende Unterstützung der Kunden bei Modernisierungsvorhaben, beispielsweise beim Ausfüllen von Förderantragen.

Einigkeit herrschte beim Handlungsbedarf in mehreren Punkten: Das größte Problem im Neubaubereich seien die viel zu hohen Grundstückspreise. Hinzu komme der Fachkräftemangel im Handwerk, der auch für einen Modernisierungsschub eine große Bremse sei. Das Handwerk habe so viel im normalen Tagesgeschäft zu tun, dass zu wenig Zeit bleibe, sich mit neuen Technologielösungen zu beschäftigen und weiterzubilden. Neben einer Vereinfachung des Baurechts sei außer Fördermitteln und Zuschüssen eine steuerliche Abschreibung - 30% in drei Jahren - notwendig, um den Markt signifikant anzukurbeln und die Wärmewende voranzubringen.

Den ergänzenden Hinweis von Frank-Peter Ahlers von der  Handwerkskammer Hannover nahm Moderator Udo Sahling gern als Schlusswort aus dem Publikum: Funktionierende, regionale Netzwerkstrukturen wie in der Region Hannover seien notwendig, um die Wärmewende als herausfordernde Gemeinschaftsaufgabe anpacken und realisieren zu können.